01.07.2009, 12:19 Uhr | Bela Beier
Das Verhältnis Kamera - Objektiv ist monströs: Eine Mittelformatkamera wie Sie hier angebracht ist, ist ungefähr so groß wie ein Backstein - auch vom Gewicht!
Das größte Objektiv der Welt wird gerade bei Zeiss gebaut: Das Carl Zeiss Apo Sonnar T* 4/1700 hat eine Brennweite von über eineinhalb Metern und ist somit in der Lage, aus einer Entfernung von mehreren hundert Metern millimetergroße Details sauber abzulichten. Doch wer fotografieren will, ohne das Haus zu verlassen, muss sich mit dem 270 Kilogramm schweren und zwei Meter langen Riesenobjektiv plagen.
Natürlich wissen wir nicht, welche Riesenlinsen die verschieden Militär- und Nachrichtendienste besitzen, aber das größte zivile Objektiv der Welt wird momentan beim Traditionsbetrieb Zeiss gefertigt. Das Carl Zeiss Apo Sonnar T* 4/1700 ist mit einer Brennweite von 1700 Millimetern fast anderthalb mal so groß wie bisherige Monsterobjektive. Die erreichten bis jetzt nur eine Brennweite von 1200 Millimetern. Das nun größte Objektiv hat gigantische Ausmaße: bei einer Brennweite von 1700 Millimetern ist es fast zwei Meter lang, wiegt 270 Kilogramm und hat einen eigenen Motor nur für den Autofokus. Allein die vorderste Linse misst fast einen halben Meter im Durchmesser.
Derartige Brennweiten sind praktisch nur für Natur- und Tierfotografie sinnvoll. Zum Beispiel, wenn der Fotograf nicht nahe genug an das Objekt herankommt oder das Motiv wegrennen würde, wenn es den Fotografen bemerkt. Und mit einer Brennweite von 1700 Millimetern können Sie das Innere eines Vulkans aus bequemer Entfernung abbilden, ohne sich zu verbrennen. Oder Sie fotografieren die Löwen in der Steppe in voller Pracht, ohne dass die Tiere gestört werden.
Mit knapp 300 Kilogramm können Sie dieses Objektiv nicht mehr in der Hand halten – ein spezielles Stativ ist Pflicht und muss dann beispielsweise auf einem Geländewagen montiert sein. Aber wenn das Gewicht fast egal ist, schließen Sie an ein derartiges Objektiv keine kleine Kompaktkamera an, sondern eine Mittelformatkamera wie zum Beispiel die Hasselblad H3D. Rein theoretisch können Sie natürlich auch mit einem Konverter arbeiten und eine Kamera wie die Olympus E-P1 verwenden. Ob deren Abbildungsqualität allerdings für ein solches Objektiv ausreicht, sei dahingestellt.
"Ein spezielles Interesse an Tierfotografie aus großer Entfernung in freier Wildbahn" – so hatte der Auftrageber 2006 die Bestellung begründet, und diese Bilder wird sich der Unbekannte auch etwas kosten lassen. Denn obwohl kein genauer Preis bekannt ist, dürften Entwicklung und Fertigung des Carl Zeiss Apo Sonnar T* 4/1700 im höheren siebenstelligen Bereich sein. Da fällt dann die Anschaffung der Kamera auch kaum mehr ins Gewicht.
Bela Beier
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