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HDTV über Antenne: Wann kommt DVB-T2?

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HDTV über Antenne: Wann kommt DVB-T2?

24.11.2011, 10:44 Uhr | Christian Fenselau/t-online.de

Ärger mit HDTV: Viele Deutsche schauen in die Röhre.  (Quelle: imago)

Ärger mit HDTV: Viele Deutsche schauen in die Röhre. (Quelle: imago)

Gestochen scharfe TV-Bilder in HDTV: Dieser optische Genuss ist bislang denen vorbehalten, die ihr Programm via Satellit, Kabel oder Internet empfangen. Wer hingegen das preiswerte Digitalfernsehen über Haus- oder Zimmerantenne nutzt, schaut in die Röhre – von HDTV keine Spur. Ausgerechnet DVB-T, das jahrelang als digitale Zukunftstechnik beworbene "Überallfernsehen", sieht plötzlich ganz alt aus. Wir erklären, warum das so ist und sagen, ob Antennennutzer noch auf eine HD-Zukunft hoffen dürfen.

HDTV empfangen über Dach- oder Zimmerantenne – hierzulande ein aussichtloses Unterfangen. Doch warum ist das so? Die oft verbreitete Erklärung, HDTV sei mit DVB-T technisch unmöglich, ist so nicht richtig. Das Ausland macht es uns vor. So senden Frankreich und Australien HD via DVB-T. Die meisten Länder wie Italien oder England setzen hingegen auf den Nachfolgestandard DVB-T2. Technisch ist das die bessere Lösung, denn DVB-T2 bringt stabileren Empfang und bessere Bildqualität und macht somit zugleich Schluss mit einem der größten Mankos des digitalen Antennenfernsehens.

Die große Angst vor DVB-T2

In Deutschland tun sich Politik und Sendeanstalten schwer mit einer Umrüstung auf DVB-T2. Einer der Gründe: Die Einführung des heutigen DVB-T, bei der zwischen 2002 und 2009 fast 500 digitale Sendeanlagen neu errichtet werden mussten, war aufwändig und langwierig genug. Die Verantwortlichen fürchten den erneuten Aufwand ebenso wie das Unverständnis der Zuschauer. Millionen Deutsche müssten sich nämlich schon wieder neue Empfänger anschaffen, da die aktuellen DVB-T-Tuner nichts mit dem DVB-T2-Signal anfangen können. Besonders In den ländlichen Regionen besteht die Gefahr, dass sich die TV-Zuschauer gleich ganz von DVB-T verabschieden und zum Beispiel auf eine Schüssel umsteigen. Bewohnern der schwach besiedelten Regionen hat DVB-T schon jetzt nicht allzu viel zu bieten, weil die Privatsender aus Kostengründen oft gar kein Signal ins DVB-T-Netz einspeisen. Da erscheint es sicherer, den alten DVB-T-Standard beizubehalten.

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HDTV heißt weniger statt mehr Programme

Der HDTV-Zug ist aber nicht aufzuhalten, und so stecken Sendeanstalten und politische Entscheider in einem Dilemma. Zwar ließe sich DVB-T tatsächlich fit für das technisch anspruchsvollere HD-Signal machen. Aber: Da die Übertragung eines Programms in HD-Qualität mehr Bandbreite benötigt als in SD-Qualität, würde dies weitere Sendefrequenzen erfordern, und die sind knapp. Mehr Frequenzen für DVB-T freizugeben würde bedeuten, an anderer Stelle – etwa beim Mobilfunk – Frequenzen zu streichen. Mit den bisherigen Übertragungskapazitäten hätte HDTV über DVB-T zwangsläufig eine deutliche Reduzierung der Programme zur Folge. Das will niemand.

Damit nicht genug: Da die Kosten durch den Umstieg auf HD-Ausstrahlung steigen würden, könnten sich die Privaten als Konsequenz weiter zurückziehen oder ihr HD-Angebot kostenpflichtig gestalten. Bei der Satelliten-Ausstrahlung haben die Privatsender bereits einen klaren Weg eingeschlagen: HD-Qualität gibt es – nach einer 12-monatigen Gratis-Testphase – nur gegen Extra-Gebühren. 50 Euro pro Jahr verlangen RTL& Co. für den Zugang zu ihrer gemeinsamen "HD+"-Plattform. Die Programmvielfalt ist aber die Grundvoraussetzung für die Beliebtheit von DVB-T. Und so steht in den Sternen, ob und wenn ja wann auch DVB-T-Nutzer HDTV empfangen werden. Es gibt keinen Entschluss, wann eine Umstellung auf eine bessere Technik wie DVB-T2 erfolgen soll, nicht einmal eine offizielle Absichtserklärung, dass überhaupt etwas umgestellt werden soll.

... und DVB-T2 kommt doch!

Aber es gibt Hoffnung. ARD und ZDF haben durchaus Interesse an einer verbesserten Technik. Auch politisch scheint eine Weiterentwicklung gewollt – wenn auch mit Vorsicht. Daher ist es am wahrscheinlichsten, dass man sich letztlich doch für DVB-T2 entscheiden wird. Südlich von Hamburg läuft bereits seit 2009 ein Modellversuch. Hier wird DVB-T2 noch bis Juli 2012 getestet, obwohl Briten und Italiener schon DVB-T2 nutzen. Grund: Die Erfahrungen aus anderen Ländern lassen sich nicht auf Deutschland übertragen. So gibt es in Deutschland im Gegensatz zu anderen Teilen Europas kaum noch Dachantennen.

Auch wenn der Modellversuch noch andauert, lässt sich schon erkennen, wohin die Reise geht. Denn zunächst sollte auch getestet werden, wie das bisherige DVB-T verbessert werden kann. Das gilt nicht mehr. Im jüngsten Zwischenbericht stellte die Projektleitung des DVB-T2-Modellversuchs klar, "dass die ursprünglich vorgesehenen Untersuchungen zur Optimierung der bestehenden DVB-T-Sendernetze nicht mehr von Interesse sind". DVB-T scheint also doch ein Auslaufmodell zu sein.

Bei der weiteren Entwicklung dürfte somit kaum ein Weg an DVB-T2 vorbei führen. Doch wann wird es denn nun was mit dem hochauflösenden Antennen-TV, das auch in Sachen Empfangsqualität mit Kabel, Satellit und Internet mithalten kann? Zwar hat die Europäische Rundfunkunion im Mai einen Leitfaden für die Einführung von DVB-T2 verabschiedet, ein Zeitplan ergibt sich daraus jedoch nicht. Die Leiter des Modellversuchs haben den Rundfunkanstalten und der Bundesnetzagentur einen Vorschlag unterbreitet. Demnach könnten 2014 oder 2015 die ersten Sendeanlagen in den Regelbetrieb gehen. 2018 wäre Deutschland komplett versorgt. Auf welchen Fahrplan sich die Entscheider einigen werden, bleibt abzuwarten.


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Christian Fenselau/t-online.de  

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