14.11.2011, 11:46 Uhr | Christian Fenselau
Internet per Fernseher: bequemes Surfen von der Couch (Foto: imago/Montage: t-online.de) (Quelle: imago)
Immer mehr Fernseher bieten einen Internetanschluss, doch kaum jemand nutzt ihn. Rund vier Millionen so genannte Smart-TV oder Hybrid-TV stehen bereits in deutschen Wohnzimmer, bis Ende 2012 werden es sogar über zehn Millionen sein, schätzt der Branchenverband BITKOM. Doch nur 13 Prozent der Besitzer gehen mit ihrem Fernseher tatsächlich online. Warum eigentlich nicht mehr? Wir erklären, was aktuelle Hybrid-Fernseher leisten – und ob sich die Anschaffung schon heute lohnt.
Annähernd alle TV-Modelle der gehobenen Mittelklasse und darüber verfügen bereits über Internet-Funktionen. Wer auf neueste Technik und eine exzellente Bildqualität Wert legt und sich einen Fernseher der höheren Preisklasse zulegt, kauft die Internet-Option automatisch mit. Fernseher mit Internetanschluss können viele Dinge, die über den üblichen TV-Konsum hinausgehen: Vom Sofa aus auf Tausende YouTube-Clips zugreifen, ausführliche Programminformationen abrufen oder bei Wikipedia schnell die Antwort zur Quizfrage nachschlagen. Allerdings variieren die Freiheiten von Modell zu Modell stark. Während sich mit manchen Modellen völlig frei wie mit einem Computer durchs Internet browsen lässt, schränken andere Fernseher den Zugriff auf bestimmte, vordefinierte Dienste wie etwa YouTube ein oder bieten einen Zugang zu Online-Videotheken.
Praktisch jeder internetfähige Fernseher ist mit vordefinierten Widgets ausgerüstet. Diese liefern ganz bestimmte Internetinhalte als Schnellzugriff per Knopfdruck. Der Vorteil: Die Widgets, die Apps auf einem Smartphone ähneln, sind auf einfachste Bedienung mit der Fernbedienung ausgelegt, umständliches Eingeben einer Internetadresse entfällt. So lassen sich zum Beispiel bequem vom Sofa aus YouTube-Videos anschauen und Spielfilm-, Sport- und Nachrichtenangebote abrufen. Aber auch für andere bekannte Dienste wie Picasa, Facebook, Flickr und Twitter gibt es Widgets.
So lässt sich das Computerbild auf dem Fernseher anzeigen. zum Video
Philips Net TV hält eine größere Auswahl an Widgets bereit, darunter etwa das Telekom Mediencenter, womit man Zugriff auf seinen persönlichen Online-Speicher hat und alle Dateien, Fotos, Musik und Videos, einsehen kann. Samsung und Philips bieten spezielle Portale, über die sich weitere Widgets herunterladen lassen. Modelle anderer Hersteller wie Panasonic oder Sharp aktualisieren ihr Widgets-Portfolio live. Der Zugriff aufs Internet über Widgets ist in der Regel recht bequem, allerdings auch auf die Dienste eingeschränkt, die der TV-Hersteller zur Verfügung stellt.
Nur ein Fernseher mit integriertem Browser kann der beliebige Internetseiten darstellen kann. Diese völlig Freiheit ist bislang noch die Ausnahme und vor allem bei Top-Modellen vorzufinden. Der Nutzen hält sich aber in Grenzen. Zwar können TV-Browser zwar in einigen Fällen auch Flash-Inhalte anzeigen und bieten einen familientauglichen Jugendschutz, allerdings gestaltet sich das Surfen via Fernbedienung oft wenig komfortabel. Manche Hersteller, etwa Technisat, führen separate Tastaturen, die das Browsen deutlich erleichtern. Einige Hersteller bieten Apps an, die eine Steuerung per Smartphone ermöglichen. Trotzdem: Ein Fernseher kann in Sachen Internet keinen Computer ersetzen. Internet-Angebote, die nicht nur gelesen oder angeschaut werden, funktionieren mit einem Fernseher in der Regel nicht, so zum Beispiel Datei-Downloads oder Online-Banking.
Für informationshungrige interessanter ist dagegen der Videotext-Nachfolger HbbTV. Dieser Dienst bietet Text- und Bildinformationen, die deutlich über das hinausgehen, was wir von Videotext gewohnt sind. Unter anderem lassen sich über HbbTV die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten aufrufen. So können verpasste Sendungen angeschaut werden. HbbTV ist eine sinnvolle Weiterentwicklung des Videotextes und wird auch zunehmend in Fernseher und externe Receiver integriert.
Wenn das Internet nicht direkt per TV-Anschluss ins Haus kommt, sondern wie meist über die Telefonleitung, muss der Fernseher an den Router angeschlossen werden. Je nach Modell geschieht das über ein Netzwerkkabel oder kabellos via WLAN. Einige Modelle besitzen bereits ein eingebautes WLAN-Modul, andere brauchen zusätzlich einen aufpreispflichtigen WLAN-Dongle. Dieser belegt einen USB-Platz und sollte genau zum Fernseher passen, sonst wird er unter Umständen nicht vom Fernseher erkannt. Außerdem ist zu bedenken, dass auf dem TV-Möbel Platz für das angeschlossene Zubehör vorhanden sein muss, denn Kabel und Dongle dürften eine Wandmontage des Fernsehers verunstalten.
Den Fernseher mit dem Internet zu verbinden, macht zunehmend Sinn. Die TV-Hersteller bauen ihr Angebot an Hybrid-Fernsehern immer weiter aus und bieten sinnvolle Extras, zum Beispiel passende Smartphone-Apps. Wer ohnehin den Kauf eines Flachbildfernsehers plant, sollte sich direkt ein internetfähiges Modell zulegen. Bereits die Standardfunktionen wie der Zugriff auf YouTube-Videos werten den Fernseher deutlich auf.
Da Fernseher ohne Internetzugang oft nur noch in den unteren Preisklassen zu finden sind, sind sie auch sonst schlechter ausgestattet und bieten nicht die neueste Technik. Als vollwertiger Webbrowser machen Fernseher allerdings keine gute Figur, Notebook und Tablet-PC sind auf dem Sofa die besseren Alternativen. Beim Kauf kommt es daher eher auf eine gute Auswahl vordefinierter Widgets an, die sich möglichst einfach aufrufen lassen.
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Christian Fenselau
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