17.06.2008, 11:27 Uhr
Ein Plasma- oder LCD-Fernseher steht auf vielen Wunschlisten deutscher Haushalte ganz oben, doch vor dem Kauf stellen sich viele Fragen. Die große Fernseherkaufberatung von t-online.de digital klärt auf, worauf Sie beim Kauf eines Flachbildfernsehers achten sollten.
Ein Plasma- oder LCD-Fernseher mit einer Bilddiagonale über 150 Zentimeter schindet bei Freuden und Bekannten viel Eindruck, macht aber nicht in jedem Wohnzimmer Sinn. Denn: Sitzen Sie zu nahe am Gerät, werden Sie Unschärfen und grobe Kanten deutlich erkennen. Faustregel: Für HDTV sollte die Bildschirmdiagonale nicht mehr als ein Drittel des Abstandes zwischen Sessel und Fernseher betragen. Ein kleines Rechenbeispiel: Sie liebäugeln mit dem Kauf eines TV-Geräts mit 42 Zoll Diagonale (entspricht etwa 106 Zentimetern), dann sollte ein Mindestabstand von 3,20 Metern gewahrt werden. Messen Sie vor dem Kauf Ihr Wohnzimmer ab - und vergessen Sie nicht zu messen, wie viel Platz in Ihrem Schrank für ein TV-Gerät ist. Unterhalb von 37 Zoll (94 cm) werden bis auf ein paar veraltete Geräte nur LCD-Fernseher angeboten, erst jenseits dieser Größe kommen Plasmas ins Spiel. Bei kleinen und mittleren Größen führt an LCD-Fernseher in der Regel kein Weg vorbei, während bei Großbildschirmen über 1,20 Meter Bilddiagonale auch Plasma-Fernseher in Betracht kommen.
Bildschirmdiagonale in Zoll | entspricht Zentimeter |
24 | 61,0 |
26 | 66,0 |
32 | 81,3 |
37 | 94,0 |
40 | 101,6 |
42 | 106,7 |
46 | 116,8 |
50 | 127,0 |
58 | 147,3 |
LCD-Fernseher dominieren seit längerem den Markt, während nur noch wenige TV-Hersteller an Plasma festhalten. Dass die meisten Hersteller die Produktion von Plasma-Fernsehern scheuen, hat aber keine Qualitätsgründe. Beide TV-Technologien haben weiterhin Vor- wie Nachteile. Wer nur in abgedunkelten Räumen das Gerät einschaltet, hat bei einem Plasma-Fernseher ein vergleichsweise besseres Bild als bei einem LCD-Fernseher. Doch tagsüber kann eine verspiegelte Mattscheibe den TV-Genuss merklich mindern. Entscheidend bei dieser Frage ist, wo das Gerät stehen wird. Plasma-Fernseher spielen ihre Stärken in abgedunkelten Räumen aus. Trifft jedoch Licht direkt auf die Mattscheibe, ist die Bildqualität deutlich schwächer, da der Bildschirm nicht perfekt entspiegelt ist. Nutzen Sie den Fernseher nur abends, ist dieses Problem zweitrangig.
Der Kontrast der Plasmas ist oft stärker, Farben natürlicher, schwarze Flächen erscheinen wirklich tiefschwarz und nicht dunkelgrau wie auf vielen LCD-Fernsehern, Nachzieh-Effekte treten kaum auf. Auch das Problem der Winkelabhängigkeit besteht kaum - das Bild sieht bei Plasma-Fernsehern von allen Seiten praktisch gleich gut aus.
Größtes Manko der Plasmas: Bei einem Plasma-Fernseher besteht grundsätzlich die Gefahr des "Einbrennens". Lässt man längere Zeit ein Standbild, kann es sein, dass sich dies fortan als "Geisterbild" unter das laufende Bild mischt. Der Effekt ist dann irreversiblel. Bei LCD-Fernsehern kann es allenfalls vorübergehend zu Geisterbildern kommen. Der Energieverbrauch wird oft als Vorteil der LCD-Fernseher angeführt. Das ist so aber nicht korrekt: Richtig ist: Ein großer Bildschirm, egal ob Plasma oder LCD, macht sich auf der Stromrechnung sicher bemerkbar. Bei Plasma-Fernsehern schwankt der Verbrauch je nach dargestelltem Bild. Das heißt, für hellere Bilder benötigt der Fernseher mehr Energie als für dunkle Szenen. Der Stromverbauch lässt sich bei Plasma-TV in gewissem Rahmen reduzieren, indem man den Kontrast herabregelt. Auch der Appetit der LCD-Fernseher lässt sich über die Hintergrundbeleuchtung verringern.
Neben LCD-Fernsehern ist seit einiger Zeit immer häufiger von LED-Fernsehern die Rede. Die Hersteller versprechen besonders satte Farben, hohe Kontraste und dazu einen geringeren Stromverbrauch. So mancher Hersteller von Fernsehgeräten nimmt gerne ein Missverständnis in Kauf, vielleicht, um den Absatz der teureren LED-Fernseher anzutreiben. Denn in Wahrheit ist jeder LED-Fernseher auch ein LCD-Fernseher. Bei LED-Fernsehern wird lediglich die Hintergrundbeleuchtung durch Leuchtdioden ersetzt und nicht die Flüssigkristalle, die das Bild erzeugen. In herkömmlichen LCD-Fernsehern strahlt eine Leuchtstoffröhre die Flüssigkristalle an, bei LED-Fernsehern übernehmen dies Leuchtdioden. Korrekt ist also die Bezeichnung: LCD-Fernseher mit LED-Hintergrundbeleuchtung (Backlight). Im Handel hat sich trotzdem der Begriff LED-Fernseher durchgesetzt. Tatsächlich kann die LED-Technik bei Flachbild-Fernsehern Vorteile bringen. Wenn die LED intelligent eingesetzt werden, erfüllen sie ihren Zweck besser als die herkömmlichen Leuchtstoffröhren bei LCD-Fernsehern ohne LED. Das Wundermittel zum perfekten Bild sind sie damit noch nicht. Ein gutes Bild braucht mehr als nur das richtige Backlight. Auch der Stromverbrauch der LED-Fernseher liegt nicht in allen Fällen unter dem klassischer LCD-Fernseher, da auch hier die Hintergrundbeleuchtung nur ein Faktor ist. Der Aufpreis von teils einigen hundert Euro sollte also gut abgewägt werden.
Achten Sie beim Kauf eines Plasma- oder LCD-Fernsehers unbedingt auf das offizielle HD-Ready-Logo: Dies gewährt, dass der Fernseher mindestens 720 Zeilen darstellen kann - soviel wird für HD-Inhalte benötigt - und außerdem die erforderlichen Anschlüsse für HD-Abspielgeräte besitzt. Fernseher ohne HD-Ready-Logo sind selten geworden, vereinzelt tauchen sie jedoch noch als vermeintliches Schnäppchenangebot auf. Mittlerweile ist die Industrie schon weiter: Full HD ermöglicht zumindest theoretisch noch detailreichere und schärfere Bilder. Full HD ist zwar anders als HD-ready keine offizielle, an genauen Definitionen gebundene Bezeichnung, meint aber TV-Geräte, die die volle Bildauflösung von 1920 Spalten und 1080 Zeilen erreichen. Full HD wird allerdings derzeit nur von Blu-rays und einigen kostenpflichtigen TV-Kanälen genutzt. Für optimalen Empfang der HD-Programme von ARD und ZDF genügt HD-Ready völlig.
Fast alle Flachbild-TV kommen mit einer Technik zur Erhöhunh der Bildwiederholfrequenz in die Läden, meist als 100-Hertz-Technik bezeichnet. Diese verhindert Unschärfen bei schnell bewegten Objekten, beispielsweise in Actionfilmen. Der Trick: Die Geräte "erahnen" die Bewegungsrichtung des Objekts und errechnen ein Zwischenbild, wodurch Bewegungen flüssiger wirken. Die 100-Hertz-Technik ist also ein sinnvolles Ausstattungsmerkmal, auf dass Sie nicht verzichten sollten. Einige Hersteller locken sogar mit 200 Hertz, lassen sich das aber gut bezahlen. Meist lohnt der Aufpreis nicht.
Wer hauptsächlich DVD- oder Blu-ray-Filme schaut, kann auf einen TV-Tuner verzichten, wird aber voreingestellte Bildmodi wie "Film" oder "Game" zu schätzen wissen. Die diversen zuschaltbaren Bildverbesserungs-Automatiken wie Pixel Plus haben sich deutlich in der Qualität gesteigert. Allerdings sollten die Einstellungen nicht übertrieben vorgenommen werden, da sonst eher das Bild verschlimmbessert wird. Wer öfters Digitalfotos am TV-Gerät betrachtet, benötigt einen USB- oder Speicherkarten-Slot. Manche Geräte zeigen die Bilder allerdings nur in mäßiger Qualität.
Vorbildlich: Samsung bietet alle notwendigen Anschlüsse. (Foto: HiFi Test)Plasma- und LCD-Fernseher sind sehr anschlussfreudig. Die Zeiten, in denen aus dem Rückteil des TV-Geräts nur ein Stromkabel herauskam und ein Antennenkabel eingesteckt werden musste, sind schon lange vorbei. Wichtigster Anschluss: Per HDMI werden Bild und Ton in hoher Qualität übertragen. Auch manche per HDCP-Standard kopiergeschützten Filme lassen sich nur abspielen, wenn ein HDMI-Kabel verwendet wird. Spielekonsolen wie Playstation 3 und die überarbeitete XBox 360 setzen auf den flachen Stecker. Für den Anschluss eines PC muss eine DVI-Buchse vorhanden sein, um keine Qualitätseinbußen hinnehmen zu müssen, auch wenn neuere Grafikkarten über einen HDMI-Ausgang verfügen.
Ein Video-Eingang ist bei aktuellen Geräten ohnehin immer dabei, genauso wie Scart. Verzichten Sie nicht auf einen der Qualitätsanschlüsse, auch wenn Sie derzeit keines dieser Geräte anschließen wollen. Neue Geräte bieten ohnehin mehrere HDMI-Buchsen - für den Anschluss einer Konsole oder eines DVD-Rekorders ist dies Pflicht, da es das nervige Umstöpseln vermeidet. Kurzum: Ein Fernseher mit weniger als je zwei Scart- und HDMI-Buchsen sollten Sie im Laden stehen lassen.
Trauen Sie der Schärfe der bunten Bilder im Elektronik-Fachhandel nicht! (Bild: dpa) In vielen Prospekten wird mit enorm hohen Kontrastwerten von 10.000:1 und mehr geworben - doch derlei Angaben sind nicht nachprüfbar, sie sagen wenig aus und lassen sich aufgrund unterschiedlicher Messverfahren nicht vergleichen. Überzeugen Sie sich daher immer selbst von der Bildqualität. Aber lassen Sie sich nicht von den hochauflösenden Demo-Discs der Verkäufer blenden: Deren farbintensive Szenen sind so gewählt, dass sie nur die Stärken des TV-Geräts zeigen. Besser ist es, selbst einen Film mitzunehmen, in dem es dunkle Szenen, aber auch Nahaufnahmen von Hauttönen gibt. Das entlarvt Schwächen der Geräte, da in dunklen Szenen oft Details verlorengehen und bei schnellen Bewegungen im Film Unschärfen und Verpixelungen auftauchen können. Lassen Sie sich zudem unbedingt auch ein aktuelles TV-Bild zeigen. Das herkömmliche Fernsehprogramm wird noch auf Jahre hinaus in alter PAL-Norm ausgestrahlt. Ausgerechnet damit haben noch immer viele Flachbild-Fernseher ihre Schwierigkeiten.
Hat der Fernseher einen guten Sound oder klingen die Stimmen blechern? Wer den Klang eines hochwertigen Röhren-Fernsehers gewohnt ist, wird hier oft enttäuscht. Wegen der geringen Bautiefe stellen die meisten Flachbild-TV hier eher einen Rückschritt dar. Auch die Fernbedienung sollten Sie einem kleinen Test unterziehen. Sind die Tasten gut angeordnet? Haben sie einen angenehmen Druckpunkt? Wie lange dauert das Umschalten des Programms?
Die Bildqualität von Plasma- und LCD-Fernseher hat sich innerhalb der letzten Jahre deutlich verbessert. Ältere Geräte werden häufig zu sehr günstigen Preisen verramscht, doch der Kauf lohnt selten. Die Unterschiede zwischen preisgünstigen und teuren Geräten zeigen sich besonders bei Plasma-Fernsehern. Noch vereinzelt werden alte Plasmas verkauft, die besonders viel Energie fressen oder die "HD Ready"-Norm nicht erfüllen. Finger weg davon.
Billige TV-Geräte haben in der Regel einen geringeren Kontrast, das Bild wirkt flau, die Farben unnatürlich, es fehlt an Details und Schärfe. Viele ältere und billige Fernseher haben massive Probleme, die Auflösung von analogen Fernsehsignalen und DVDs sauber hochzurechnen. Hier lohnt es sich, mehr Geld zu investieren. Gern gespart wird auch bei den Anschlüssen. Eine HDMI-Buchse ist meist Fehlanzeige - fürs HD-Fernsehen ist sie allerdings Voraussetzung. Dennoch: Auch günstige Fernseher können gute Bilder darstellen. Testen Sie daher das Gerät mit verschiedenen Filmen im Geschäft und achten Sie zumindest auf das "HD ready"-Prädikat.
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