07.01.2010, 08:51 Uhr | Sascha Plischke
Microsoft setzt auf den Touchscreen: Auf der Consumer Electronics Show CES in Las Vegas hat Microsoft-Geschäftsführer den Prototypen eines kleinen Tablet-PC vorgestellt, der nur über sein berührungsempfindliches Display bedienbar sein soll. Betriebssystem für dieses ohne Tasten wird sein, bauen will es der Elektronik-Hersteller Hewlett-Packard. Microsoft versucht damit den Markt für Rechenzwerge dieser Art besetzen – wenige Wochen bevor die Konkurrenz von Apple ein ganz ähnliches Gadget präsentieren soll.
Dem tastenlosen Notebook gehört die Zukunft. Zumindest glaubt das Steve Ballmer, immerhin Geschäftsführer von Softwaregigant Microsoft. Der in Zusammenarbeit mit HP entwickelte und jetzt vorgestellte Prototyp zeigt, in welche Richtung die Entwicklung mobiler Computer gehen soll. Klein sollen sie sein, leicht, und intuitiv bedienbar über einen großen Touchscreen. Hauptaufgabe der auf den Namen Slate PC getauften Mobilcomputer soll das Surfen im Internet sein. Aber auch zahlreiche andere Anwendungen sind auf den Geräten denkbar. Für Office-Anwendungen und andere Software-Werkzeuge sollen die Slate PC angeblich auch genügend Rechenkraft mitbringen.
Betriebssystem der Wahl für diese neue Produkt-Kategorie soll nach Vorstellung von Microsoft Windows 7 werden. Von Anfang an hatte Microsoft sein neues System auch über dessen Eignung für den Betrieb von Touchscreen-PC vermarktet. So will Microsoft sein Betriebssystem endlich auch auf kleinen und besonders mobilen Geräten zum Erfolg führen. Hintergrund ist die Strategie des Konzerns, sämtliche "Bildschirme" der Anwender miteinander zu vernetzen.
Handy, Desktop-PC, Notebook und künftig auch Slate PC sollen nahtlos zusammenarbeiten und sich gegenseitig auch steuern können. Robbie Bach, bei Microsoft Leiter des Unternehmenszweiges Entertainment & Devices, fasst diese Strategie folgendermaßen in Worte: “Es geht uns darum, diese unterschiedlichen Technologien miteinander zu einem Unterhaltungserlebnis zu verknüpfen, das einheitlich ist, einfach zu benutzen und den Bedürfnissen der Anwender entspricht." Termine, Dokumente, Kontakte, E-Mails, all das soll auf allen Geräten gleichzeitig verfügbar sein. Das geht bis hin zu der Möglichkeit, mit einem Slate PC den heimischen Fernseher steuern zu können.
Der Prototyp eines so genannten Slate-PC von HP. (Foto: Microsoft)
Über diese Strategie hinaus wird es jedoch für den Anwender zunächst nichts Greifbares geben. Das HP-Gerät, mit dem Ballmer auf der CES die Möglichkeiten der Technologie demonstrierte, ist lediglich ein Prototyp. Wann er marktreif wird oder welche technischen Daten der Winzling aufweist wollten weder HP noch Microsoft verraten – ganz zu schweigen von einem möglichen Preis. Microsofts Präsentation bleibt also auf absehbare Zeit eine Luftnummer – zu kaufen gibt es die schöne neue Mobil-PC-Welt nicht.
Offenbar wollte Microsoft mit der Präsentation vor allem der Konkurrenz von Apple zuvorkommen. Die hat für Ende Januar eine Produktvorstellung angekündigt und die Gerüchte verdichten sich, dass es sich dabei um genau so ein Gerät handeln könnte, wie es Steve Ballmer nun in die Kameras gehalten hat. Von skurrilen Internet-Foren bis hin zu den seriösen Experten des Wall Street Journal sind sich jedenfalls alle Beobachter sicher, dass da ein Touchscreen-Gerät auf die Öffentlichkeit wartet. Sollten sich die Gerüchte bewahrheiten, dürfte Apple Microsoft trotz der späteren Vorstellung wieder einen Schritt voraus sein. Denn das verschwiegene Unternehmen präsentiert nie Prototypen. Was auch immer Apple-Chef Steve Jobs aus dem Hut zaubert – Technische Daten, Preis und Verkaufsstart werden sofort bekannt sein. Der Kampf um den Touchscreen-Markt ist also eröffnet.
Sascha Plischke
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