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Röhrenfernseher, Plattenspieler, Filmkameras: Analogtechnik im Überblick

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Comeback für analog?

02.08.2011, 16:57 Uhr | Christian Fenselau

Nach wie vor gibt es eine große Auswahl an Plattenspielern zu kaufen. (Foto: Thorens)

Nach wie vor gibt es eine große Auswahl an Plattenspielern zu kaufen. (Foto: Thorens)

Festplattenrekorder, MP3-Player, Digitalkameras: Bits und Bytes haben längst in allen Bereichen die seit Jahrzehnten bewährte Analog-Technik verdrängt – in allen Bereichen? Nein, Schallplatten zum Beispiel verkauften sich 2010 so gut wie lange nicht mehr, und manch ein Fotograf schwört weiter auf seine Zelluloid-Kamera. Was steckt dahinter – nur Nostalgie oder handfeste rationale Gründe? Kann Analog-Technik tatsächlich mithalten?

Es war schon immer so: Während der eine die Segnungen des Fortschritts preist, ist der andere eher skeptisch gegenüber Neuerungen und bleibt beim Bewährten. Seit der Erfindung der CD Anfang der 80er-Jahre teilt die Digitaltechnik nicht nur Musikliebhaber in zwei getrennte Lager. Das hat sich bei der Fotografie fortgesetzt, auch hier schwören viele nach wie vor auf altbewährte Technik, während andere schon längst ihren Fotoapparat gegen eine filmlose Digitalkamera getauscht haben.

LP-Verkäufe steigen wieder

Mit der Einführung der CD gehörten Schallplatten plötzlich zum alten Eisen. LPs verschwanden nach und nach aus den Plattenläden, die meisten Titel erschienen nur noch auf CD. Der Musikindustrie bescherte der Silberscheiben-Boom jahrelang Rekordergebnisse, weil die Konsumenten sich nicht nur auf die neuen Alben stürzten, sondern auch bereit waren, ihre vorhandene Schallplattensammlung nach und nach auszutauschen. Mit "Digital Remastered"-Neuauflagen längst als abverkauft gegoltener Alben bediente die Musikindustrie bereitwillig über viele Jahre dieses Bedürfnis. Die klanglichen Vorteile digitaler Abtastung liegen auf der Hand: kein Rauschen, keine Rumpelgeräusche. Mit der enormen Kratzfestigkeit, mit der die Hersteller anfangs warben, ist es bei der CD allerdings nicht ganz so weit her.

Wichtiger für den Siegeszug der Silberscheibe waren aber wohl die praktischen Vorzüge: Eine CD ist wesentlich handlicher und kann auch im Auto gehört werden. Sie fasst wesentlich mehr Musik, die sich zudem komplett auf einer Seite befindet, so dass die Scheibe nicht nach der Hälfte der Spielzeit umgedreht werden muss. Songtitel können sekundengenau ausgewählt oder übersprungen werden. Erst später, als die CD längst die Platte verdrängt hat, hat sich ein weiterer Vorteil offenbart: Musikstücke lassen sich problemlos völlig verlustfrei kopieren, via PC auslesen und auf MP3-Player übertragen. Letzteres ließ vor den Absatz von CD-Brennern und CD-Rohlingen anschwellen, war der Musikindustrie aber ein Stück zuviel Konsumentenfreiheit. Sie versah CDs kurzerhand mit einem Kopierschutz - bis die Nutzerproteste Überhand nahmen, auch, weil viele DVD- und Auto-CD-Player die ehrlich erworbene Scheibe nun ausspuckten. Der Spuk um den digitalen Kopierschutz ist seit einigen Jahren wieder passé.

Schallplattenfans konnten der Aufregung um störrische CDs gelassen zusehen. Nicht nur unter DJs haben die Vinylscheiben ihre Fans erhalten. Mittlerweile bestätigen auch die Verkaufszahlen, dass die Langspielplatte nicht totzukriegen ist. Absolut liegen die CD-Verkäufe und Internet-Downloads unangefochten vorne. 2010 wurden nach Angaben des Bundesverbands Musikindustrie 98 Millionen CD-Einheiten (Einzel- und Doppel-CDs) verkauft. Der CD-Absatz geht kontinuierlich zurück, die Anzahl der verkauften Downloads stieg hingegen auf zuletzt 74 Millionen Singles und Alben. Der Absatz von Langspielplatten ist mit 0,6 Millionen Einheiten in 2010 dagegen bescheiden, steigt aber seit fünf Jahren stetig an. 2006 wurden nur halb so viele LPs verkauft wie im letzten Jahr. Auch Plattenspieler gibt es nach wie vor in einer ansehnlichen Auswahl zu kaufen.

Vinyl gegen CD

Tonabnehmer eines Schallplatten-Spielers: Fans schwören auf den weicheren Vinyl-Klang. (Quelle: imago) Tonabnehmer eines Schallplatten-Spielers: Fans schwören auf den weicheren Vinyl-Klang. (Quelle: imago)Was spricht noch für die Vinyl-Scheibe? Die Klangreproduktion auf einem Plattenspieler der Mittelklasse erreicht nicht die Perfektion eines CD-Players – und genau deshalb schwören viele auf die Schallplatte. Die Verfälschungen durch weniger lineare Frequenzgänge oder schlechtere Kanaltrennung führen zu einem veränderten Klang, der für manche Ohren einen weicheren, wärmeren Charakter hat. Das bedeutet aber nicht, dass perfekte Wiedergabe nur mit CDs möglich ist: Je aufwändiger und hochwertiger Plattenspieler, Tonarm und Tonabnehmer sind, desto weniger verfälschen sie den Klang. High-End-Plattenspieler liegen klanglich auf dem Niveau von hochwertigen CD-Abspielern. Von der klanglichen Seite abgesehen sieht es dürftig für die Schallplatte aus: Das schöne große Cover und die Ästhetik mancher Edel-Plattenspieler sind allenfalls Randaspekte.

Gute Digitalkameras sind teuer

Von 1980 bis 2002 gebaut: Foto-Klassiker Nikon F3. (Foto: Arne List) Von 1980 bis 2002 gebaut: Foto-Klassiker Nikon F3. (Foto: Arne List)Bei der Fotografie gibt es nach wie vor Gründe für den Einsatz bewährter analoger Technik. Ein Kleinbildfilm mit geringer Lichtempfindlichkeit löst feiner auf als jede heute erhältliche Digitalkamera. Die Möglichkeiten werden allerdings durch die Kamera-Optik begrenzt. Die Entwicklung in einem üblichen Großlabor limitiert mögliche Vorteile des analogen Filmmaterials endgültig, denn dort werden alle Einzelbilder für die Entwicklung digitalisiert.

Professionelle Fotografen, die mit Mittel- oder Großformat-Kameras arbeiten und im Speziallabor entwickeln lassen, bleiben häufig bei ihrem bewährten Material. Die Digitaltechnik hat zwar auch in die Profiszene Einzug gehalten, aber wenn beim Umstieg Qualitätseinbußen vermieden werden sollen, ist großer finanzieller Aufwand nötig.

Aber auch ambitionierte Natur- und Landschaftsfotografen benutzen nach wie vor analoge Spiegelreflexkameras mit Diafilm. DSLR und Beamer wären zwar ein adäquater digitaler Ersatz, stellen aber für viele eine finanzielle Hürde dar. Bei Kompaktkameras ist die digitale Technik dagegen längst kein nennenswerter Kostenfaktor mehr. Die digitalen Modelle dieser Klasse machen mindestens ebenso gute Fotos wie die analogen Vorgänger. Natürlich lässt die Bildqualität vieler preiswerter Kameras zu wünschen übrig, aber das war auch in der Ära der Analogfotografie nicht anders.

Der Praxisnutzen spricht eher für die Digitaltechnik: Bei Digitalkameras ist jedes Bild sofort überprüfbar und kann bei Bedarf direkt wieder gelöscht werden. Ein weiterer Punkt ist die flexible Lichtempfindlichkeit von Bild zu Bild, je nach den Lichtverhältnissen lässt sich die ISO-Zahl fast beliebig einstellen. Darunter kann zwar die Bildqualität leiden, aber bei einer Analogkamera gibt es gar keine derartige Option. Voraussetzung für das Ändern der ISO-Zahl ist hier ein Filmwechsel oder der Einsatz von mehreren Kameras gleichzeitig.

Röhrenfernseher entsorgen?

Röhrenfernseher ausmustern - das muss nicht unbedingt sein. (Quelle: imago) Röhrenfernseher ausmustern - das muss nicht unbedingt sein. (Quelle: imago)Ginge es nach den TV-Herstellern, wäre der Wechsel zur Digitaltechnik längst vollzogen. Analoge Röhrenfernseher werden zwar praktisch nicht mehr produziert, verrichten aber immer noch in vielen Haushalten ihre Dienste. Jahrelang waren digitale Flachbildfernseher hochwertigen Röhrengeräten in punkto Bildqualität unterlegen, das hat sich mittlerweile gewandelt. Wirklich zwingende Gründe, einen Röhrenfernseher gegen einen digitalen Flachbildfernseher auszutauschen, bestehen aber nicht - vorausgesetzt, das Gerät ist auf dem letzten technischen Stand mit 16:9-Bildverhältnis und 100-Hertz-Technik. Zwar beherrschen Röhrenfernseher kein HDTV, dennoch können sich Besitzer sicher sein, damit noch ihr gewohntes Fernsehprogramm zu empfangen, sofern sie einen Empfänger für Digital-TV anschließen. Noch ältere Geräte, die mit 50 Hertz flimmern und aufgrund des 4:3-Seitenverhältnisses bei den meisten Sendungen schwarze Balken zeigen, kommen allenfalls noch als Zweitgerät in Frage. Fehlt sogar ein Scart-Eingang, ist das Ende praktisch besiegelt. Ohne die Möglichkeit, einen digitalen Empfänger anzuschließen, hat kein Fernsehgerät eine Zukunft.

Radio: Analog ist noch immer in

Bei Radios ist die analoge Technik noch kein Auslaufmodell. Digitalradios konnten sich auch nach mehreren Jahren nicht durchsetzen, trotz unbestrittener technischer Vorteile. Auch der am 1. August 2011 erfolgte Start von DAB+ wird daran nichts ändern. Analoge Radios sind einfach zu sehr verbreitet, fast jeder Bundesbürger besitzt gleich mehrere Empfänger.

Schlechte Aussichten für VHS und Analog-Sat

Nicht in jedem Fall hat die alte Analogtechnik noch eine Daseinsberechtigung. Wer noch einen analogen Satelliten-Empfänger nutzt, kann diesen spätestens Ende April 2012 einem neuen Bestimmungszweck zuführen. Das analoge Sat-Signal wird dann abgeschaltet. Langfristig sieht es auch düster für VHS-Videorekorder und Audio-Kassettengeräte aus. Nicht nur, dass die Qualität der Aufnahmen nicht an die der digitalen Aufnahmen heranreicht, sie verschlechtert sich auch bei den gelagerten Kassetten im Laufe der Zeit weiter. Einzigartige Aufnahmen, an denen Ihr Herz hängt, sollten Sie deshalb digitalisieren und auf CD oder DVD überspielen lassen. Es gibt mittlerweile viele Firmen, die diesen Dienst anbieten. Immerhin ist nicht damit zu rechnen, dass der Nachschub an Kassetten allzu bald versiegt.

Fazit: Analog fast nur für Liebhaber

Im Vergleich analog gegen digital verzeichnet die Digitaltechnik fast nur klare Punktsiege. Die unbestreitbaren Vorteile bei Bedienkomfort und Alltagstauglichkeit wischen die letzten Restzweifel an den technischen Vorzügen vom Tisch. Also weg mit den Technik-Dinos? Nicht unbedingt. Bei vielen Produkten wie Schreibmaschinen und Kleinbildfilm-Kameras sorgt zwar der versiegende Nachschub an Verbrauchsmaterialien auf absehbare Zeit für ein natürliches Ende. Röhrenfernseher und Schallplattenspieler aber bleiben sicher auch auf Jahre hinaus gebrauchsfähig.


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Christian Fenselau  

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